Bluthochdruck bei Frauen - wie vorbeugen?

04.09.2020
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Bluthochdruck bei Frauen – Immer noch ein unterschätztes Risiko

Wenn von Bluthochdruck und seinen Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall die Rede ist, denken viele nur an das starke Geschlecht: die Männer! Den Frauen wird diese Krankheit nicht in so großem Maße zugemutet. Bis Mitte der 1980er Jahre galten Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems als typische Männerkrankheiten. Die statistischen Zahlen sprechen allerdings weltweit eine andere Sprache.

 

Jede vierte Frau in Deutschland zwischen 25 und 69 Jahren hat einen hohen Blutdruck. Das sind immerhin drei bis vier Millionen. Ab der Lebensmitte nimmt die Zahl der Frauen mit einem hohen Blutdruck kontinuierlich zu. Seit einigen Jahren haben die Frauen die Männer im Hinblick auf die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sogar überholt. Ab der sechsten Lebensdekade haben die Frauen ihren geschlechtsspezifischen und natürlichen Vorteil ausgespielt.

 

Hypertonie – auch bei Frauen ein Risiko
Besonders gefährlich ist bei Frauen die Kombination von Pille und Zigarettenrauchen, insbesondere, wenn sie das 35. Lebensjahr überschritten haben. Jede dritte Frau über 35 Jahre, die die Pille einnimmt, hat einen zu hohen Blutdruck. Zwischen 45 und 65 Jahren leidet fast jede dritte Frau unter Bluthochdruck.

 

In der Altersgruppe ab 65 Jahren erkrankt bereits jede zweite Frau. Generell sind bei Frauen die gleichen gefäßschädigenden Risikofaktoren von Bedeutung wie bei Männern: Rauchen, Übergewicht, gestörte Regulation des Blutzuckers, Stress, Bewegungsmangel und fortgeschrittenes Alter, zusätzlich der Wegfall des geschlechtsspezifischen Östrogenschutzes in den Wechseljahren.

 

Geschlechtsspezifische Unterschiede
Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen zu Fragen einer Hypertonie wurden zum größten Teil an Männern durchgeführt. Deren Ergebnisse übertrug man bisher einfach auf die Frauen. Beim Älterwerden zeigt sich aber der Unterschied: Frauen besitzen Gene und Hormone, die ihnen ein längeres Leben garantieren. Dabei schützt das weibliche Hormon Östrogen vor hohem Blutdruck und die Blutgefäße vor Arterienverkalkung. Mit den Wechseljahren ist die Gefahr groß, an Bluthochdruck zu erkranken.

 

Es stellen sich zusätzlich sichtbare Veränderungen wie eine Zunahme des Körpergewichtes, Fettansammlungen an markanten Körperregionen, faltige und blasse Haut ein.

Viele Ärzte nehmen die angegebenen Beschwerden und Veränderungen von Messwerten bei Frauen häufiger weniger ernst. Sie diagnostizieren schneller eine „Befindlichkeitsstörung“ und verzichten auf ausführliche Untersuchungen. Das trifft bei hohem Blutdruck besonders zu.

 

Er ist nicht ein ausgesprochener Widerstandshochdruck wie beim Mann, sondern durch Volumenbelastungen und Starre der Gefäße bedingt. Diese so genannte systolische Hypertonie kommt bei älteren Frauen relativ häufig vor und führt schneller zu den lebensbedrohlichen Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

 

Körperliche Aktivität für Lebensqualität
Körperliche Aktivität stellt die einzige therapeutische Maßnahme bei der Behandlung eines hohen Blutdruckes dar, die die Lebensqualität sogar verbessern kann. Bei einem langanhaltenden und mit Medikamenten schlechteinzustellenden Hochdruck lässt sich durch körperliche Aktivitäten allein keine ausreichende Senkung erzielen. Hierbei muss eine Komplextherapie im Mittelpunkt stehen – mit Sport und Bewegung zusammen.

 

Damit werden die zusätzlichen Risikofaktoren wie Übergewicht, hohe Blutfette, krankhafte Blutzuckerwerte und ein Bewegungsmangel vermindert. Doch: Bewegung und Sport wirken allein nicht optimal. Meist ist eine angepasste medikamentöse Therapie mit den unterschiedlichsten Substanzen erforderlich.

 

Medikamente
Die Verordnung von Medikamenten erfolgt nach Diagnostik in Abhängigkeit von den absoluten Blutdruckwerten und dem individuellen Risiko. Sechs Substanzgruppen werden weltweit empfohlen – für die Mono- und Kombinationstherapie: Betablocker, Kalziumantagonisten, Diuretika, ACE-Hemmer, AT1-Blocker und Alpha-Antagonisten. Zunächst sollte aus den Gruppen ein Präparat nach den individuellen Gegebenheiten der Hypertonikerinnen ausgewählt werden.

 

Stellt sich eine nicht ausreichende Wirksamkeit heraus, wird ein anderes Präparat herausgesucht. Ist dieses im Rahmen einer Monotherapie nicht erfolgreich, ist eine Kombination notwendig. Mittlerweile steht eine Vielzahl von Tabletten zur Verfügung, die zwei oder mehrere Wirkstoffe enthalten.

 

Zu Beginn der medikamentösen Therapie können durchaus einige Beschwerden oder ein allgemeines Unwohlsein auftreten. Sie sind auf die Senkung des bisher gewöhnten Blutdruckes zurückzuführen. Das Gehirn hatte unter hohem Blutdruck die Regulierung seiner Durchblutung dem herrschenden Druck angeglichen. Nun muss es sich auf normale gesunde Werte einstellen. Das führt in dieser Zeit zu Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Antriebsmangel oder allgemeiner Unzufriedenheit.

 

Es sind typische Beschwerden, wie sie bei niedrigem Blutdruck auftreten. Diese eher harmlosen Reaktionen beschränken sich in der Regel nur auf die ersten Wochen der neuen Behandlung. Es sind normale Reaktionen – keine Nebenwirkungen. Da Tabletten ihre volle Wirksamkeit erst nach drei bis vier Wochen erreicht haben, sind die Allgemeinbeschwerden dann auch vergangen.

 

Aus Gründen des Einnahmeverhaltens der Patienten und der Verträglichkeit haben sich langwirksame Zubereitungen der Tabletten bewährt – Retardtabletten. Sie werden einmalig am Tag früh morgens eingenommen. Nach guter Einstellung der Werte genügt in der Regel der Besuch beim Arzt alle ein bis drei Monate. Gelegentliche oder regelmäßige Messungen zu Hause sollten die Frauen in einen Blutdruck-Pass eintragen. Die Werte legen sie dann ihrem Arzt vor.

 

Heilpflanzen
Heilpflanzen spielen eine bedeutende Rolle bei der Behandlung von leichten Formen der Herz-Kreislaufschwäche, Veränderungen des Blutdruckes und der Vorbeugung der Verkalkung von Gefäßen. Wissenschaftlich am besten bearbeitet sind Ginkgo, Knoblauch, Rosskastanie und Weißdorn. Die Glykoside des roten Fingerhutes werden heutzutage als synthetische Präparate eingesetzt.

 

Weißdorn wird gern als Naturarznei bei nachlassender Leistungsfähigkeit des Herzens verordnet. Es hat nach wie vor einen hohen Stellenwert. Das Herz wird besser durchblutet, der periphere Widerstand gesenkt. Damit sinkt der Blutdruck. Da ein hoher Blutdruck häufig unter psychischem Stress besteht, wirken die Naturheilpflanzen sehr gut, die beruhigend sind.

 

Johanniskraut
Johanniskraut vertreibt durch Stress entstandene Stimmungstiefs. Es vermindert depressive Gedanken, schafft Ruhe und Ausgeglichenheit, verhilft zu mehr Selbstvertrauen, entspannt in belastenden Situationen, entlastet Geist und Seele. Damit sinkt auch der Druck in den Gefäßen.

 

Baldrian, Hopfen, Melisse
Eine sehr gute beruhigende Kombination von pflanzlichen Arzneimitteln stellt ein Gemisch von Baldrian, Hopfen und Melisse dar. Baldrian ist hauptsächlich für die Beruhigung der Nerven; Hopfen für einen erholsamen Schlaf; Melisse gegen Erregungszustände verantwortlich. Ruhe und Gleichmaß in Körper und Seele bedeuten Verminderung des seelischen und körperlichen Druckes. Das trifft besonders für den Blutdruck zu. Spitzenwerte werden gekappt, hohe Werte werden vermindert, eine nächtliche Absenkung wird herbeigeführt.
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Text: Dr. med. Lutz Koch
© PACs Verlag GmbH
Foto ©: iStock – Pamela Moore